Dann nahm er seine Vorlesung wieder auf, als ob nichts geschehen wäre. Noch immer knallrot im Gesicht, wagte ich den Blick nicht mehr zu erheben.
Als ich an Sabines Seite rasch aus dem Vorlesungssaal huschen wollte, kam er direkt auf mich zu und hielt mich mit einer Hand auf meinem Arm auf. "Darf ich Sie für Ihre erfrischende Ehrlichkeit zum Kaffee einladen?" fragte er.
Sabine zog hörbar die Luft ein. Sie war sprachlos.
Ich hätte mich am liebsten in ein Mauseloch verkrochen, aber was sollte ich tun – ganz unhöflich absagen? Stockend und leise nahm ich an. Sabine warf mir einen bösen Blick zu, als er meinen Arm nahm und mit mir verschwand.
Er führte mich nicht etwa in die Cafeteria, sondern in sein Professorenzimmer ein Stockwerk höher, wo er mir einen Kaffee eingoss, so stark, dass der Löffel eigentlich hätte stehen müssen. Nicht dass es das Koffein gebraucht hätte; seine unmittelbare Nähe machte mich schon aufgeregt genug.
Ich nahm im Besuchersofa Platz, und er setzte sich mir gegenüber auf einen Sessel.
"Sie sind also keine der hiesigen Studentinnen?" begann er die Unterhaltung. Ich berichtete, dass Sabine und ich die gleiche Schule besucht hatten und schon immer Freundinnen gewesen waren. Während es für Sabine gleich feststand, sie wollte studieren, wusste ich noch nicht so genau, was ich machen wollte, und jobbte einfach nur zum Geldverdienen.
"Vielleicht kann ich Sie ja überreden, sich hier für die Philosophie einzuschreiben", bemerkte er.
Sein Blick ging mir durch und durch.
"Und, hat es sich nun gelohnt, meine Bekanntschaft zu machen?" wollte er plötzlich wissen.
"Oh – oh ja", erwiderte ich.
"Das ist schön, dass ich dir gefalle", ging er nun unvermittelt zum "du" über. "Du hast mir nämlich auch gefallen; und zwar gleich, als ich dich in deiner Reihe entdeckt habe."
Mit diesen Worten stand er auf, ging um den schmalen Tisch herum, setzte sich direkt neben mich auf das Sofa und begann, mich zu küssen.
Dabei blieb es nicht; innerhalb kurzer Zeit waren meine Bluse und mein Rock verschwunden, und ich lag halb auf dem Sofa, unter ihm, der inzwischen ebenfalls völlig nackt war, und lernte dabei jede Menge praktischer Dinge über den Unterschied zwischen Philosophie und Erotik.
Sabine hat es mir nie verziehen, dass ich ausgerechnet den Mann im Sturm erobert hatte, den alle Studentinnen haben wollten und den bisher noch keine privat hatte treffen dürfen.
Das war aber nicht so schlimm, die letzten zwei Nächte meines Aufenthaltes schlief ich ohnehin nicht bei ihr, sondern bei ihm. |